Eine neue Gruppe für Trauernde trifft sich ab Mitte August einmal monatlich Dienstag um 17 Uhr in den Räumen der Caritas, Lessingstraße 9, 01587 Riesa. Trauernde, die diese Gruppe nutzen möchten, werden um vorherige Kontaktaufnahme und Anmeldung unter Tel. 03525 503619 gebeten.

Warum die Trauer nicht das Problem, sondern die Lösung ist, erklärt Ute Heining, Trauerbegleiterin und Mitarbeiterin im Hospizdienst des Caritasverbandes für das Dekanat Meißen e.V.: Trauer ist eine ganz normale Reaktion auf den Verlust eines Menschen, der sinngebend war.

Nahestehende wissen oft nicht, wie es weitergehen soll. Doch die menschliche Seele hat eine Art Programm entwickelt, um das eigene Weiterleben zu ermöglichen – das ist der Trauerprozess. Er führt von einem Leben mit diesem Menschen, der gestorben ist, hin zu einem aushaltbaren Leben ohne ihn.

Auch wenn die Menschen keine Ahnung haben, wie sie den Schmerz und die Unsicherheit nach einem Tod überstehen sollen – in Jedem von uns liegt die Fähigkeit, es zu tun.

Man geht davon aus, dass mindestens 80 Prozent der Trauernden keine fachliche Unterstützung brauchen. Sie brauchen Mitgefühl und Ermutigung von Freunden und Familie. Jeder braucht andere Menschen.

Trauerprozesse enden nicht mit dem Vergessen

Der Trauerprozess beinhaltet deutlich mehr als Vergessen und Weitermachen. Trauern ist auch deutlich mehr als das Gefühl von Traurigkeit. Trauerprozesse enthalten viele starke Gefühle und gleichzeitig auch viele wirre Gedanken. Sie bringen die mühsame Gewöhnung an ein verändertes Leben mit sich und die Auseinandersetzung mit spirituellen Fragen nach dem Sinn. Vor allem bestehen Trauerprozesse aus Erinnerungen. Das menschliche Überlebensprogramm nach dem Tod eines geliebten Menschen ruft die vielen Erinnerungen an den Verstorbenen ins Gedächtnis, und sortiert sie nach ihrer bleibenden Bedeutung. Es ist wie eine sehr volle Kiste mit Fotos und Videos, die angesehen werden. Irgendwann ist klar, welches die wichtigsten und stimmigsten Bilder sind. Zu diesen Bildern gibt es Geschichten, die auf den Punkt bringen, wer dieser Mensch war und was er im Guten hinterlassen hat. Sie münden irgendwann in „leichtem Gepäck“.

Keiner weiß im Voraus, wann das soweit sein wird. Es dauert auf jeden Fall länger als sechs Wochen. Für viele dauert es länger als das berühmte Trauerjahr.

Leider haben wir keine Trauerkultur, wir wollen wieder funktionieren, sein wie früher. Aber das passiert nicht. Menschen, die durch den Trauerprozess gegangen sind, sind sensibel geworden für ihre eigenen Bedürfnisse. Sie nehmen wahr, was ihnen gut tut, welche Menschen und Situationen ihnen gut tun. Das kann dann auf andere unverständlich oder abweisend wirken.

Trauerbegleitung kann helfen

Für den Prozess der Verarbeitung des Verlustes bietet der Caritasverband Trauerbegleitung an, in Form von Einzelgesprächen durch geschulte Mitarbeiter, aber auch durch Trauergruppen mit vier bis sechs Personen, die regelmäßig einmal im Monat stattfinden.

Es sind Angebote der Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienste. Hier können die Betroffenen sich austauschen, ihrer Trauer Raum geben, Impulse für die Trauerbewältigung bekommen, Unterstützung erfahren und ihre Fragen stellen. Im gemeinsamen Gespräch können Antworten gefunden werden.

Die Trauernden können erleben, dass es Anderen ähnlich geht oder auch, dass es keine Regeln gibt und Jede anders mit der Situation umgeht: Während Frau M. die Sachen ihres verstorbenen Mannes direkt nach einigen Wochen aussortiert, hat Frau S. auch nach zwei Jahren alles unverändert gelassen. Frau M. kann nicht mehr im gemeinsamen Schlafzimmer übernachten, während Frau S. jede Nacht im Bett ihres Mannes schläft, sich in seinen Schlafanzug kuschelt und den Geruch genießt.

Dieser je ganz persönliche Umgang darf von Außenstehenden nicht bewertet werden.

Trauer ist die Lösung, nicht das Problem